tagesmutter susanne in schwechat
 

 

 

 
Märchen
 

Vera Maria Lafrenz schreibt wundervolle Märchen, einige hat sie mir liebevollerweise für meine Page zur Verfügung gestellt. Ich möchte mich ganz herzlich bei ihr dafür bedanken.
Noch mehr Märchen findest du auf ihrer Webseite auch ein ganz süßes Buch mit wundervollen Illustrationen von Sonja Bartl hat sie geschrieben. Wenn du mehr erfahren willst, besuche sie doch auf ihrer Webseite.

Aber nun zu den Märchen:

 

SANDMÄNNCHEN und seine Wolkenschäfchen

Text©Vera Maria Lafrenz/Bild©RediSu-Redinger Susanne

 

Ihr Lieben kennt doch alle das Sandmännchen.
Abends, wenn die Sonne untergegangen ist und Mond und Sternlein am Himmel stehen, erwarten wir alle Sandmännchen´s Besuch und wünschen, dass es uns beschenkt mit einem schönen Traum aus seinem großen Sack mit Himmelssand und Himmelsträumen.

Wenn wir nicht gleich einschlafen können, dann verstreut das fleißige Sandmännchen seinen wunderbaren feinen Himmelssand und dieser macht dann unsere Augenlider schwer und schwerer. Dann gleiten wir hinüber ganz leise und sanft in die wunderbare Welt der Träume.
Diese schöne Tatsache kennt ihr doch alle?
Das ist die tägliche Arbeit unseres Sandmännchens. Es hat wirklich immer viel zu tun und ist sehr fleißig.
Oft müssen auch die Wolkenschäfchen und die kleinen Engel helfen.
Aber an einem schönen frühen Abend kam es dann doch ganz anders als sonst.

Sandmännchen, ganz aufgeregt und nervös, sprang von einer kleinen Wolke auf die andere und suchte mehrere seiner Wolkenschäfchen. Einige waren nicht in der Herde geblieben und in den dichten weichen großen Wolken verschwunden. Sandmännchen brauchte ihre Hilfe, die Abendwölkchen waren noch nicht an die richtigen Stellen geschoben worden ... Eile war geboten!

Die kleinen emsigen Engel hatte das Sandmännchen auch schon um Mithilfe gebeten. Auch sie schwirrten aufgeregt zwischen den kleineren und größeren Wolken hin und her, befragten die Mondsichel, die selbstherrlich funkelte und all die blinkenden Sternlein, die ihren abendlichen Platz noch nicht gefunden hatten.

Die Wolkenschäfchen waren nicht gesehen worden ... wo waren die wolligen Ausreißer denn alle hingelaufen? Auf der Erde sollten die Menschen doch wissen, es wäre bald Schlafenszeit für die Kleinen.

Sandmännchen hatte seine fehlenden Wolkenschäfchen immer noch nicht gefunden. Seine Zeit wurde knapp, es sollte doch mit seinem Träumesack langsam Richtung Erde gleiten und Petrus hatte extra eine große Sternschnuppe zur Verfügung gestellt.
Der kleine Mann mit dem schönen Träumesack wurde von großen und kleinen Erdenbürgern doch schon sehnsüchtig auf der Erde erwartet.

Die kleinen Englein waren sehr aufgeregt, flogen emsig hin und her und plapperten alle unverständlich durcheinander! Wo, wo, wo, ... waren die Ausreißer nur geblieben!
Nach fleißigem Suchen hatten einige Englein die Wolkenschäfchen endlich entdeckt. Sie hatten sich hinter einer großen grauen Abendwolke versteckt. Aber oh Schreck, drei von ihnen hatten eine kleine blutende Wunde am Beinchen und hinkten ein wenig. Wie konnte so etwas passieren?

Die Wolkenschäfchen, sie waren lustig und übermütig herumgehüpft. Spielten, sprangen und liefen um die Wette. Dabei waren drei von ihnen zu nahe an die Mondsichelspitze herangekommen, ein wenig hängen geblieben, hatten sich verletzt und nun eine blutige Schramme an den Beinchen.

Die wertvollen Blutstropfen waren von den Lämmerwolken schnell aufgesogen worden. Der laue Abendwind hatte dies sofort bemerkt und blies mit viel Gefühl und Ausdauer so lange in die Wolken, bis diese sich rosa bis rot am weiten Firmament verteilten und den abendlichen Himmel wunderbar verzauberten.
Der Abendwind war sichtlich stolz auf seine meisterliche Arbeit ...
Von diesem Abend an gab es bei gutem Wetter immer ein wunderschönes Abendrot.

Ihr lieben Leser habt euch doch schon Gedanken darüber gemacht, wie dieser wunderschöne rosa bis rote Abendhimmel entstanden ist?
Jetzt wisst ihr es! Und das Sandmännchen lugt sicherlich schon durchs Fenster,
um euch einen schönen Traum zu bringen, guckt doch mal! Schöne Träume ...

 

 

 

KIKI, das vorlaute Entenküken

Text©Vera Maria Lafrenz/Bild©RediSu-Redinger Susanne

 

Es war einmal – so beginnen alle Märchen und hübschen Geschichten – ein allein stehendes Haus in verhältnismäßig guter Wohngegend in einer mittelgroßen Stadt. Das Haus war unbewohnt, die Eigentümer hatten es verkauft und waren ins Ausland verzogen. Nun stand es seit längerem leer und Garten und der dazugehörige kleine Teich waren ein wenig vernachlässigt und verwildert.

So quirlten rund um den Teich einige Kleintiere wie Frösche, Käfer, Schmetterlinge und Raupen, Libellen, die an den Seerosen nippten, kleine und größere Goldfische schwammen im trüben Wasser und zwischen den Seerosen tummelten sich emsig quakende Stockenten herum.
So wie es aussah, war es eine Entenfamilie, Vater, Mutter und sieben Küken, die schräge und aufgeregt schnatternd alles nachahmten, was die Eltern vormachten bzw. lehrten, um die Kleinen zu erziehen.

Entenvater war ein stattlicher Ganter mit strahlend glänzendem Gefieder, Mutter lieb, fürsorglich, graubraun gezeichnet, zurückhaltend und immer ein Auge auf ihren aufgeweckten Küken-Nachwuchs, sieben an der Zahl.
Die Kleinen waren pfiffig, neugierig und zu jeglichem Schabernack bereit, so dass Mutter Ente immer nur sehr kurzfristig nach Nahrung suchen und tauchen konnte, tauchen und hoch, tauchen und hoch … tauchen und hoch ...

Das kleinste und frechste von den sieben war Kiki, das letztgeschlüpfte Küken. Es war so übermütig, frech und neugierig, so dass Mutter Ente gar nicht oft genug ermahnen konnte, doch all den Unsinn und Schabernack zu lassen, den Kiki immer wieder veranstaltete.
Außerdem sollte Kiki sich ein Beispiel an den Geschwistern nehmen, die immer meist folgsam in Reih und Glied marschierten zu Lande, und zu Wasser ebenso eine Reihe bildeten, damit die Eltern einen Überblick über die Kinderschar behalten konnten. Nicht so Kiki … das freche aufgeweckte Entlein hatte was anderes vor.

Jetzt, wo die Küken schon ein wenig größer waren, wagten Mutter und Vater ausgiebige Schwimmübungen auf dem Teich, Grünes zupfen, an den Wasserrosen zerren, tauchen, schwimmen, kleine Käfer, Kräuter und Körner sammeln und naschen.

Das Gefieder ausgiebig fetten und putzen, damit auch keine Wassertropfen an das Innere des wertvollen Federkleides gelangten. Es musste doch alles gelernt sein und die Kleinen waren aufgeweckt und sehr gelehrig.
Dieser kleine Abschnitt Natur mit Garten und Teich war eine Idylle, sollte es wohl so bleiben? Es sah so aus, wie wenn es das Schicksal anders wollte.

Eines Morgens war die Aufregung bei der Entenfamilie riesengroß, Kiki war verschwunden und keiner wusste, wo die Kleine geblieben war. Ängstliches aufgeregtes Geschnattere bei den Eltern, Flattern und Rennen, Flöten, Watscheln und Rufen, doch Kiki blieb unauffindbar.

Die sechs Küken mussten auf dem Teich bleiben, damit die Eltern wenigstens sicher waren, sie dort wieder zu finden und beide Altenten watschelten in ihrer Not laut schnatternd durch den Garten, hin und her, her und hin … was war nur geschehen! Wo war denn Kiki nur geblieben ...Doch plötzlich ein leises klägliches Schnattern und Flöten am nahen Holzzaun.

Der Zaun war schon lange nicht mehr repariert worden, so hatten sich einige Risse und Löcher im Holz gebildet, eines davon ist dann Klein-Kiki zum Verhängnis geworden.
Die kleine Freche steckte in einem Holzloch fest, konnte nicht mehr vor oder zurück und wartete nun, zitternd am ganzen Federkleidchen auf seine Befreiung durch die Eltern.
Klein-Kiki strampelte mit ihren winzigen Watschelbeinchen mit allen Kräften, wollte freikommen, aber ihre Energie reichte nicht aus. So steckte das kleine freche Küken kläglich fest.

Die Enten-Eltern hatten das ängstliche Quaken ihres Kükens sofort gehört.Überglücklich, Kiki endlich entdeckt zu haben, flatterten die Eltern zu ihrem vermissten Kind. Mit einem entschlossenen zärtlichen Schubs befreite Mutter ihr Kind aus der unangenehmen Lage und die Wiedersehensfreude war groß.

Als Vater, Mutter und Kiki zum Teich zu den Geschwistern zurückkehrten, war das Wiedersehens-Geschnattere laut, freudig und in höchsten Tönen zu hören und die Eltern konnten ihr wieder gefundenes Küken gar nicht oft genug liebevoll beschnäbeln.
Nie wieder unternahm Klein-Kiki einen größeren Ausflug ohne Geschwister und elterliche Aufsicht in die lockende große Freiheit, das Küken war ja doch noch zu klein.

Und die Moral von der Geschicht´. Werde erst erwachsen und vernünftig genug, bevor du das Elternhaus verlässt.

 

 

EINAUGE-der traurige Teddy

Text©Vera Maria Lafrenz/Bild©RediSu-Redinger Susanne

 

In einem Kindergarten am Rande der Stadt ging es immer hoch her ... Lärm, Kindergeschrei, Spiele, kleine Malkünstler kleckerten mit Wasserfarben, Knetmasse wurde geformt, Bauklötzer zusammengesetzt, wieder umgestoßen, und die kleineren wie größeren Kinder hörten nicht immer auf die Kindergärtnerin, die darauf bedacht war, den Kleinen was Vernünftiges beizubringen.
So wurde schon vor einiger Zeit ein brauner Teddybär – von den Kindern spöttisch "Einauge" genannt – achtlos in die Ecke geworfen.
Beim intensiven Spielen wurde ihm ein Auge ausgerissen und ein Ohr war auch schon verletzt und hing in erbarmungswürdigem Zustand seitlich und schlapp am Kopf.
Einauge, der Arme, war sehr unglücklich, ungeliebt und traurig, denn keines der Kinder wollte mehr mit ihm spielen und er blieb einsam und unbeachtet in der Ecke liegen. Der Teddy träumte von besseren Zeiten, als er noch neu, geliebt und hübsch war.
Damals wollten alle Kinder ihn drücken und mit ihm spielen, aber jetzt war wohl seine gute Zeit vorbei und der Arme konnte auch ewige Unruhe und lautes Kindergeschrei nicht mehr ertragen. Einauge war eben alt geworden ...

Der jungen Kindergärtnerin Anne, einer schüchternen allein erziehenden Mutter mit einer hübschen kleinen Tochter namens Birgit, war schon seit einiger Zeit aufgefallen, dass der bedauernswerte Teddy seit längerem einsam in einer Ecke lag und die Kindergartenkinder keinerlei Interesse mehr für ihn zeigten.
Kurz entschlossen nahm Anne den einäugigen Teddy an sich.
Sie hatte nicht so viel Geld zur Verfügung, um teure Spielsachen und Geschenke für ihre Tochter zu kaufen, wusste aber auch, dass Klein-Birgit nun bald ihren fünften Geburtstag feiern sollte und immer noch kein Geschenk in Aussicht stand.
Könnte der Teddy nach gründlicher Reinigung und Reparatur vielleicht ein Geburtstagsgeschenk darstellen?
Die junge Mutter überlegte kurz und schritt dann entschlossen zur Tat. Einauge musste jetzt auf der Stelle wieder verjüngt werden, aber wie sollte sie dies anstellen?

Der bedauernswerte Teddy wurde zuerst in die Waschmaschine gesteckt und im Schongang mit Wollwaschmittel vorsichtig gewaschen und getrocknet.
Dann versuchte Anne dem kleinen Bären neue Augen einzusetzen und das verletzte Ohr zu nähen.
Mit Liebe, Ausdauer und Geschick gelang auch dies und der traurige Teddy namens "Einauge" war urplötzlich nicht mehr wiederzuerkennen, er wirkte verjüngt und fröhlich. Mit seinen neuen Äuglein guckte Einauge nun richtig glücklich und unternehmungslustig in die neue Welt des kleinen Haushalts von Anne und ihrer Tochter.

Der Geburtstag der Tochter war da – Klein-Birgit bekam ein hübsches Märchenbuch und den Teddy "Einauge", der in der Zwischenzeit eine große Wandlung erfahren hatte und wieder ein liebenswertes Spielzeug geworden war, dank des Einfallsreichtums von Mutter Anne.
Klein-Birgit liebte den Teddy über alle Maßen. Er wurde aber jetzt auch liebevoll behandelt, so dass große Teddy-Doktor-Arbeiten wie Auge oder Ohr gottlob nicht mehr nötig waren. Ab sofort hieß er auch nicht mehr "Einauge" sondern "Brummerchen", denn der glückliche Teddy hatte seine Bärenstimme wieder entdeckt.

Nie hatte Birgit erfahren, in welchem betrüblichen Zustand der kleine Teddy vor ihrem Geburtstag gewesen war und Einauge, jetzt Brummerchen, wird es ihr sicherlich auch nicht verraten haben.
Er tat alles, um seine geliebte kleine Birgit glücklich zu sehen!
Und wenn man den kleinen Teddybären heute ansieht, hat man immer den Eindruck, als ob er jedem glücklich zublinzeln würde nach dem Motto " ... nur Mut, es kommen immer wieder bessere Zeiten – guckt mich doch mal an ..."

 

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